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Die «Gutachtitis» bricht aus


Gutachten als Munition in Abstimmungskampagnen – ein beliebtes, nicht selten aber auch gezielt manipuliertes Einsatzmittel. So auch, wenn die Befürworter der Entwaffnung aller Schweizer mit einer als «wissenschaftlich» deklarierten Expertise beweisen wollen, dass die beim Wehrmann zuhause aufbewahrte Waffe die Ursache allen Übels sei.

Wer wenigstens einen Rest von Anstand besitzt, dem ist eigentlich klar: Politspielereien mit Selbsttötungen, zurechtgebogen für polemische Aussagen, verbieten sich eigentlich von selbst – weil Selbsttötungen ausnahmslos trauriges Ergebnis äusserst tragischer, letzten Endes nicht mehr beeinflussbarer Entwicklungen und Entscheidungsabläufe sind.

Manipulationen
Jene, welche die rigorose Entwaffnung der Schweizer anvisieren, glauben indessen, mit Selbsttötungen Kampagnen inszenieren zu können. Dies, wenn sie behaupten, ein universitäres Gutachten belege, dass es in Haushalten, wo Schusswaffen greifbar seien, häufiger zu Selbsttötungen mit Schusswaffen komme als in andern Haushalten, wo keine Schusswaffen aufbewahrt werden.

Diese Aussage ist zwar durchaus plausibel, ja lapidar. Sie wird aber zur üblen Manipulation, wenn daraus die Folgerung abgeleitet wird, dass es zu Suiziden kaum mehr käme, wenn ein generelles Schusswaffenverbot durchgesetzt sei.

Mit gleicher, skrupelloser Schein-Logik könnte auch anderes Widersinniges «nachgewiesen» werden: Es ist Tatsache, dass sich nicht wenige Menschen das Leben nehmen, indem sie sich vor einen fahrenden Zug werfen (womit sie nicht selten beim völlig unfreiwillig und ohnmächtig am tödlichen Geschehen beteiligten Lokführer ein Trauma hervorrufen). Dazu kann selbstverständlich «nachgewiesen» werden, dass es in Gemeinden, die keinen Bahnanschluss haben, nie zu Selbsttötungen unter dem Zug kommt. Dennoch wäre die Behauptung unsinnig, man könne, wenn bloss die Bahn abgeschafft würde, auch das Problem der Selbsttötungen lösen. Aber mit genau solcher Scheinlogik operieren die, die behaupten, mit der Entwaffnung der Schweizer würden Selbstmorde «zum Verschwinden gebracht».

Tragik verbietet Polemik
Tatsache ist: Wer – zumeist Folge tragischer Entwicklung – zu einer Selbsttötung Zuflucht sucht, greift wohl meistens zu jenem Mittel, das ihm am einfachsten zugänglich ist. Die Schusswaffe steht dabei nicht im Vordergrund. Aber sie wird – leider – auch genutzt.

Solch bedrückende Zusammenhänge frivolem politischem Spekulieren auszusetzen – dafür muss man wohl über einen «ganz besonderen Charakter» verfügen. Für andere ist das Geschehen allzu tragisch, als dass damit polemisiert werden darf.

Es geht den Initianten der Entwaffnungs-Initiative gewiss nicht um Selbsttötungen. Es geht ihnen darum, alle Schweizer rigoros zu entwaffnen. Also all jene, die als Angehörige unserer Milizarmee – von der ganzen Welt bewundert – ihre Verantwortung im Umgang mit der persönlichen Waffe unter Beweis gestellt haben und noch immer beweisen.

Das wahre Ziel
Man muss sich darüber im klaren sein: Wer die Schweizer, wer unsere Armeeangehörigen entwaffnet, der schafft ein Waffenmonopol für Ausländer und Kriminelle – für jene, die sich illegal in den Besitz von Waffen gebracht haben, weil sie diese in krimineller Absicht auch nutzen wollen. Macht solches die Schweiz sicherer?

Nein zur Entwaffnung der Schweizer! Nein zur Entwaffnungs-Initiative.

Ulrich Schlüer, Nationalrat

18.08.2010