Massenheer
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Armeen wurden nicht geschaffen für die Katastrophen-Bewältigung. Aber wo immer eine schwere Katastrophe Tatsache wird, zeigt sich, dass Katastrophen-Bewältigung ohne Armee undenkbar ist.
Die Jahrhundert-Katastrophe, die soeben Japan heimgesucht hat, zeigt einmal mehr, welch entscheidende Funktion der Armee zukommt, wenn der Bevölkerung Hilfe geleistet werden muss.
Armee im Katastrophenfall
Und eine weitere Tatsache wird deutlich: Armee-Hilfe bewirkt nichts, wenn die für Katastrophen-Bewältigung eingesetzte Armee nicht eine mannschaftsstarke Armee ist.
Man kann nach einer Schwerst-Katastrophe, wie in Japan tragische Tatsache geworden, nicht einfach mit schweren Maschinen auffahren. In den wegzuräumenden Trümmern liegen Opfer. Das bedeutet: Die Trümmerbeseitigung muss Stück um Stück erfolgen - mit aller Sorgfalt und von Hand. Trotzdem nicht allzu schleppend. Solcher Forderung ist allein eine mannschaftsstarke Armee gewachsen.
In Japan kommt dazu, dass in entsprechend gefährdeten Regionen eingesetzte Helfer eine Strahlenschutz-Ausrüstung benötigen. Armeen verfügen über solche Ausrüstung, andere Organisationen kaum. Noch einmal: Armeen wurden nicht in erster Linie zur Katastrophen-Bewältigung geschaffen. Aber dank ihrer Mannschaftsstärke erbringen Armeen in Katastrophen Leistungen, die keine andere Organisation in vergleichbarer Effizienz erbringen kann. In Japan steht derzeit die ganze Armee im Katastropheneinsatz - kompetent, trotz der unermesslichen Schäden. Der äusserst mannschaftsintensive Einsatz wird geschätzt - was sich im Vertrauen der Bevölkerung in die Kompetenz der Behörden niederschlägt.
Armee im Verteidigungs-Auftrag
Die Frage der Mannschaftsstärke stellt sich auch für eine Armee, die eingesetzt werden muss, um Schlimmes zu verhüten. Wenn die Armee z.B. einen Grossflughafen, einen belebten Hauptbahnhof, eine für das Funktionieren des Landes unverzichtbare Energielieferungs-Anlage oder eine wichtige Verkehrs-Transversale vor Anschlägen absichern muss. Da genügen technische Mittel allein nicht. Für die Bewältigung solcher Aufträge braucht eine Armee ausgebildete Mannschaft in ausreichender Zahl.
Armeefachleute und Laien behaupten derzeit oft, dass das «Zeitalter der Massenheere» endgültig abgelaufen sei. Heute würden Armee-Einsätze von kleinen, modern ausgerüsteten, bestens geschulten und elektronisch geführten Spezialeinheiten geleistet.
Das mag - zumindest teilweise - für Angriffshandlungen zutreffen. Wenn es zu sichern gilt, wenn es zu schützen gilt oder wenn es nach Katastrophen aufzuräumen gilt, dann nützt eine kleine High-Tech-Armee wenig bis nichts. Dann braucht es vor allem Mannschaft.
Unüberlegte Disqualifizierung
Das, was abschätzig als «Massenheer» disqualifiziert wird, hat keineswegs ausgedient. Die Frage ist vielmehr, wie kann heute ein ausreichend mannschaftsstarkes Heer aufrechterhalten werden.
Die Schweiz hat mit ihrer Miliz das dafür wohl effizienteste System geschaffen: Alle körperlich Gesunden werden ausgebildet. Die Ausgebildeten warten indessen nicht in Kasernen auf ihren Einsatz. Sie sind am Arbeitsplatz oder zuhause. Dann aber, wenn sie für einen Ernstfall gebraucht werden, können sie äusserst rasch aufgeboten und - weil gut ausgebildet - unverzüglich effizient eingesetzt werden.
Das Milizprinzip, wie es in der Schweiz gilt, hat sich sowohl zur Abwehr aggressiver Gelüste als auch bei der Katastrophen-Bewältigung bestens bewährt. Japan lehrt: Nur Verantwortungslose können dieses System diffamieren.
Ulrich Schlüer, Nationalrat
17.03.2011
