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Miliz in der Defensive

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Die Architekten der Reform «Armee XXI» wollten die Schweizer Armee zu einer Einsatz-Armee, geführt hauptsächlich von Berufsoffizieren, umfunktionieren.

Die Reform ist gescheitert. Der mit dem Konzept «Einsatz-Armee» der Miliz bereitete Schaden ist bis heute aber kaum korrigiert.

Die Verwaltung führt
Alljährlich bewältigt die Schweizer Armee einen Einsatz zur Absicherung des WEF, des Davoser Wirtschaftsforums. Längst wurde dieser Einsatz von der VBS-Verwaltung normiert. Gemäss Verwaltungs-Drehbuch wird Mannschaft aufgeboten, der berechnete Materialbedarf angeliefert, die Truppen-Einquartierung angeordnet. Den Einheits-Offizieren bleibt der Vollzug der Verwaltungs-Anordnungen. Zur Planung, zur Berechnung der benötigten Mannschaft und Logistik, zu deren Bestellung und Antransport haben sie nichts zu sagen. Das besorgt alles die Verwaltung.

Christophe Keckeis, der frühere Chef der Armee, belächelte das Miliz-Konzept als System, wo «Lehrlinge Lehrlinge ausbilden». Für Einsätze, wie sie ihm vorschwebten, nicht brauchbar, vielmehr durch Berufsoffiziere zu ersetzen. Ein schwerer Schlag gegen die Miliz.

Das Miliz-Prinzip
Unsere Armee bildet aus, damit sie im Ernstfall zu bestehen vermag. In der Milizarmee ist der Kommandant für seine Einheit vollumfänglich verantwortlich: Für die Mannschaft, für deren Ausbildung, für deren Versorgung. Der Miliz-Kommandant ist, selbst wenn er seinen Auftrag erstmals auszuführen hat, sicher kein «Lehrling». Er weiss: Versagt er bei der Auftragserfüllung, dann ist seine Militärkarriere am Ende. Das fordert heraus, das motiviert, diesem Prinzip verdankt die Armee Höchstleistung. Daraus entsteht Führungskompetenz, Führungserfahrung, Führungswille. Davon hängen Erfolg oder Misserfolg der Armee insgesamt ab.

Wenn Offiziere in «Einsatz-Armeen» bloss von der Verwaltung vorgegebene Normen zu erfüllen haben, von den wichtigen Führungs-Entscheiden aber ausgeschlossen werden, weil sie «bloss Milizler» sind, dann verliert die Offiziers-Laufbahn ihre Anziehungskraft. Weil Führungsfähigkeit nicht mehr gefragt, bloss noch Ausführung von Verwaltungsvorgaben verlangt wird. Das ist keine Stellungnahme gegen Berufsoffiziere. Ihnen bleibt die unverzichtbare Aufgabe, als Instruktoren, als militärische Lehrer zu wirken. Dafür sind sie unersetzlich.

Alle Kommandi der Armee!
Die Reform AXXI hat der Miliz schwer geschadet. Auf dass die Schweizer Armee ihre alte Qualität wieder erlange, ist ab sofort strikte zu trennen zwischen Verwaltung und Armee. Die Verwaltung darf sich keinerlei Kommandofunktion in der Armee anmassen. Sie hat die Mittel bereitzustellen. Über den Einsatz der Mittel, über die Ausbildung seiner Einheit entscheidet in uneingeschränkter Verantwortung der Miliz-Kommandant. Wird den Miliz-Kommandanten dieser Auftrag zurückgegeben, wird die Miliz wieder attraktiv.

Dazu müssen den Milizoffizieren auch wieder alle hohen Kommandostellen bis hinauf zum Chef der Armee offenstehen. Solange beim Oberst – weil die «Generalsränge» den beamteten Berufsoffizieren für deren Karriere in der Verwaltung reserviert sind – Endstation ist, ist die Karriere für Miliz-Offiziere nicht attraktiv genug. Symptom für diese Fehlentwicklung ist, dass die Generalstabs-Ausbildung von Milizlern heute kaum mehr angestrebt wird.

Wird dieser Missstand nicht korrigiert, kann der Niedergang der Milizarmee nicht aufgehalten werden.

Ulrich Schlüer, Nationalrat

27.04.2011